Die neuzeitliche Schwemme an Comedians ist bedrohlich. Man könnte sie auch zum Comedian Tsunami hochstufen.
Nahezu jeder zweite potenzielle Selbstdarsteller, angestachelt durch aberhundert Youtube Moderatoren und Reporter in eigener Sache entdeckt: sich selbst, das lang verkannte Gag-Genie des erheiternden Wortes. Den begnadeten Alleinunterhalter, schmähroutiniert in unzähligen privaten Heurigenrunden. Ja, du solltest endlich, du müsstest!
Ein Weckruf der Eigenliebe erschallt rund um die Welt. Serienhumoristen erklimmen wie wild die Bühnen, stellen sich ganz choreografielos vor ihr Publikum und öffnen mutig ihre Münder, ganz ohne Schauspiel oder Steptanz. Nur ausgerüstet mit den scharfen Waffen ihrer tiefgehenden Gedanken.
Und dann folgt das Wunder. Die tiefen Gedanken ziehen es vor, im Seichten nach Belustigung zu fischen. Die Frontperson merkt, wie schnell die Begagten unten über jede allzu komplizierte Spaßanordnung stolpern. Wie mutlos sie nach Jahrzehnten des Wettendass Fernsehens am Kombinieren scheitern. Lachen muß schnell gehen.
Also schaltet die Frontperson flink um auf ihre ohnehin liebste Disziplin: die nahtlose Ausklammerung ihrer eigenen Identität. Nun ist sie Sklave des Pruhahas, dem simplen Schenkelklopfen widerstandslos verpflichtet. Vor ihr sitzen ja auch keine Minimalintelligenzler mehr, sondern jahrelang verzogene Vorabend-Serialisten und von Seifenopern Eingeschäumte.
Egal wie nichtssagend der Gag oder die Pointe daher auch sein mögen: die Erheiterung braucht nun keinen Verstand mehr, nur mehr das vordergründige Einmaleins des primitiven Blitzkneissens. Die persönliche Haltung des Kentertainers hat ihren Halt verloren angesichts der allgemeinen humorigen Nuttigkeit abertausender reizvoller Bühnendirnen.
Dem Handywitz folgt die gekünstelte vegane Demontage des Rindfleischs, dem Scherzchen über die Gattin der eine oder andere harmlose tagespolitische Seitenhieb. Millionen neuzeitlicher Kabarettisten und Comedians unterwegs als engagierte Trottelbotschafter des Villacher Faschings, natürlich breit gefördert von der Vertriebszentrale des öffentlich rechtlichen Erbrechens. Oh ja, es ist wirklich eine lustige Zeit!