Brief an die Phrasen-Kommission

Sehr Geehrte! Sie behaupten – neben vielen anderen merkwürdigen Phrasendreschereien in Ihrem Sortiment – ein passendes Gleichnis für die Liebe zwischen Mann und Frau sei jenes, wonach „der Topf nur irgendwann seinen passenden Deckel“ finden müsse, um in Liebesdingen dauerhaft glücklich zu sein.

Hierbei stellt sich allerdings eine wichtige Grundsatzfrage, nämlich: ist jetzt der Mann der Topf und die Frau der Deckel oder umgekehrt? 

Das ist deshalb relevant, weil einerseits ein bloßer Topf selbstverständlich auch ohne Deckel immer noch seine Grundfunktion gut erfüllen kann, indem er beispielsweise Erdäpfel gart oder Gemüse dünsten lässt. Andrerseits kann ein alleindeckender Deckel seinen Daseinssinn nicht im Geringsten erfüllen, wenn ihm kein multiaktiver Topf untersteht.

Eine präzise geschlechtliche Klarstellung bzw Zuordnung wäre hier also schon einmal angebracht! Ich selbst (männlich) bevorzuge ja eindeutig die Möglichkeit, ohne weibliche partnerschaftliche Bedeckelung frei und ungedeckelt durch mein Leben zu köcheln. Nämlich hat dies erstens den Vorteil eines absolut freien Küchenhimmels (der sich auch nicht erheblich verdunkelt), und in dem sich jeder entstehende Dampf ganz ungehindert entfalten kann, ohne dass ihn ein bedrückender Deckel irgendwann womöglich in explosive Beziehungskrisen herunterdämpft.

Natürlich weise ich kritischerweise schon darauf hin, dass auch für die sinnsuchende Weiblichkeit ein bloßes Deckeldasein ja wohl wenig erfüllend sein kann, schon gar nicht angesichts des durchaus emanzipatorischen Zeitgeistes. In diesem Sinn ersuche ich dringend um die überfällige Modernisierung Ihrer doch schon recht verstaubten Analogie.

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Politischer Aschermittwoch

Wahrscheinlich nennen sie ihn so, damit sie nach den gspaßigen Faschingswochen endlich wieder voll auf die Politkonkurrenz hindreschen können, sieht man ja.

Ein „politischer“ ist nicht so cool, hingegen hätte der Apokalyptische Gründonnerstag bestimmt seinen Reiz, grad rund um die österliche Auferstehung.

Wie auch der aufreibende Psychosomatische Karfreitag oder der Vegane Palmölsonntag, an dem es gratis Nutella gibt.

So käme man auch sonst maximal reißerisch durchs ganze Jahr:

Christi Pimmelfahrt z. B. besticht als perfekte Erleuchtungschance allzu patriarchalisch disponierter Männer, Mariä Verhängnis wieder wäre der ideale Protesttag wütender Feministinnen.

Unschlagbar bleibt aber das Atheistische Allerheiligen mit den vielen nicht gezündeten Friedhofskerzen zu Allerseelen, das jetzt ein „Populistisches Allerseelen“ ist – wegen der vielen Leichen, die trotz Wahlversprechen dann doch nicht wählen gehen dürfen.

Und damit schließt sich wieder (gleich nach dem Neoliberalen Stefanitag) der Kreis zum „Politischen Aschermittwoch“.

Was für ein interessantes Jahr für die „Zeit im Bild“!

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Man macht sich so seine Gedanken.

Man weiß, was einem schmecken wird.

Und so nimmt man 300 dag Präjudizmehl, etwas verbitterte Butter, einen halben Liter Wissenswasser und ein Packerl Gemeinheits Germ, damit die Wut dann auch schön aufgeht. Für die Instagram Oberfläche mit abgestandenem Kaffee bestreichen, vorher ja! für die Satire schon noch ein wenig Salz der Erde in den Teig. Nicht zu lange ins Backrohr, die ungeduldigen Postings wollen endlich fressen. 

Der erste Biss: die klare Bestätigung, dass in dieser Welt jegliche Hoffnung total versalzen ist. Und schon macht man sich wieder so SEINE Gedanken, anstatt vielleicht einmal die eines ANDEREN.

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Leicht erheitert

Die neuzeitliche Schwemme an Comedians ist bedrohlich. Man könnte sie auch zum Comedian Tsunami hochstufen.

Nahezu jeder zweite potenzielle Selbstdarsteller, angestachelt durch aberhundert Youtube Moderatoren und Reporter in eigener Sache entdeckt: sich selbst, das lang verkannte Gag-Genie des erheiternden Wortes. Den begnadeten Alleinunterhalter, schmähroutiniert in unzähligen privaten Heurigenrunden. Ja, du solltest endlich, du müsstest!

Ein Weckruf der Eigenliebe erschallt rund um die Welt. Serienhumoristen erklimmen wie wild die Bühnen, stellen sich ganz choreografielos vor ihr Publikum und öffnen mutig ihre Münder, ganz ohne Schauspiel oder Steptanz. Nur ausgerüstet mit den scharfen Waffen ihrer tiefgehenden Gedanken.

Und dann folgt das Wunder. Die tiefen Gedanken ziehen es vor, im Seichten nach Belustigung zu fischen. Die Frontperson merkt, wie schnell die Begagten unten über jede allzu komplizierte Spaßanordnung stolpern. Wie mutlos sie nach Jahrzehnten des Wettendass Fernsehens am Kombinieren scheitern. Lachen muß schnell gehen.

Also schaltet die Frontperson flink um auf ihre ohnehin liebste Disziplin: die nahtlose Ausklammerung ihrer eigenen Identität. Nun ist sie Sklave des Pruhahas, dem simplen Schenkelklopfen widerstandslos verpflichtet. Vor ihr sitzen ja auch keine Minimalintelligenzler mehr, sondern jahrelang verzogene Vorabend-Serialisten und von Seifenopern Eingeschäumte.

Egal wie nichtssagend der Gag oder die Pointe daher auch sein mögen: die Erheiterung braucht nun keinen Verstand mehr, nur mehr das vordergründige Einmaleins des primitiven Blitzkneissens. Die persönliche Haltung des Kentertainers hat ihren Halt verloren angesichts der allgemeinen humorigen Nuttigkeit abertausender reizvoller Bühnendirnen.

Dem Handywitz folgt die gekünstelte vegane Demontage des Rindfleischs, dem Scherzchen über die Gattin der eine oder andere harmlose tagespolitische Seitenhieb. Millionen neuzeitlicher Kabarettisten und Comedians unterwegs als engagierte Trottelbotschafter des Villacher Faschings, natürlich breit gefördert von der Vertriebszentrale des öffentlich rechtlichen Erbrechens. Oh ja, es ist wirklich eine lustige Zeit!

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Kommentarium

Der millionenfache Kommentator übergibt sich emojiweis in die Plattformsuppe (nicht, dass er dabei sonderlich weise wäre). Es handelt sich nur um die kindliche Abrundung der Botschaft: Oma scheißt sich schon an in Vorfreude auf den Geburtstag ihres vertrottelten ADHS Enkerls.

Selten interessant, häufig gehässig, meistens banal: Jedes Posting ist Sprache gewordene Flatulenz. Der Schas, der die Bedeutungslosigkeit des eigenen überlauten Sprachrohrs zur majestätischen Allmacht erhebt, und sei es nur in den fünf vergesslichen Sekunden bis zum gemeinsamen Rudel-Ertrinken im Emoji-Ozean.

Das Sprachrohr brüllt sich trotzdem unentwegt in die Blase zurück. Im Hintergrund seines politischen Denkens die felsenfeste Überzeugung: Endlich Demokratie. Wundersame Teilhabe. Ich bin der wichtige Kommentator des millionenfach Kommentierten, die exponentielle Trauerfigur des schwarzen Lochs, in dem sich die überhitzten Server der Welt so gerne treffen, um ihr Nullsummenspiel zu feiern. Denn was keiner sich je merken KANN an erregten Postings, wird sich schwerlich bis zum unvergesslichen Wikipedia Artikel hochboxen.

Wie schade nur, dass ich auch DIESEN enorm relevanten Beitrag NICHT MEHR komm

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Vom Rückzug

Soweit es übertriebene Medienpräsenzen betrifft, besteht die Welt großteils nur mehr aus UNERTRÄGLICHEN, seien es narzisstische Machtpolitiker, die XXX Lutz Familie Putz oder die saturierten Überflüssigen vom Opernball. Ihnen allen will man eigentlich schon seit Jahren vergeblich entrinnen.

Jedoch um der Welt DEN RÜCKEN ZU KEHREN, muß man sich zunächst HINTER SIE stellen, damit sie einem nicht mehr direkt in die Augen schauen kann, zum Beispiel als Bildschirm.

Dann gilt es noch, den geeigneten Drahtbesen zu finden, mit dem man ihr die Schuppen herunter schrubben kann, die ihr eigentlich von den Augen fallen müssten, aber all ihre Verdrängungen hat sie ja nach HINTEN delegiert, wo sie natürlich auch gar keine RÜCKSICHT mehr hat geschweige denn nimmt.

Erst jetzt kannst du der Welt endlich DEN RÜCKEN KEHREN.

Aber pass ja auf, dass du ihr mit dem vielen Mist auch das ARSCHLOCH gut zuschüttest, denn so beschleunigst du auch effizient die unausweichliche INNERE VERROTTUNG der Unerträglichen.

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