Sehr Geehrte! Sie behaupten – neben vielen anderen merkwürdigen Phrasendreschereien in Ihrem Sortiment – ein passendes Gleichnis für die Liebe zwischen Mann und Frau sei jenes, wonach „der Topf nur irgendwann seinen passenden Deckel“ finden müsse, um in Liebesdingen dauerhaft glücklich zu sein.
Hierbei stellt sich allerdings eine wichtige Grundsatzfrage, nämlich: ist jetzt der Mann der Topf und die Frau der Deckel oder umgekehrt?
Das ist deshalb relevant, weil einerseits ein bloßer Topf selbstverständlich auch ohne Deckel immer noch seine Grundfunktion gut erfüllen kann, indem er beispielsweise Erdäpfel gart oder Gemüse dünsten lässt. Andrerseits kann ein alleindeckender Deckel seinen Daseinssinn nicht im Geringsten erfüllen, wenn ihm kein multiaktiver Topf untersteht.
Eine präzise geschlechtliche Klarstellung bzw Zuordnung wäre hier also schon einmal angebracht! Ich selbst (männlich) bevorzuge ja eindeutig die Möglichkeit, ohne weibliche partnerschaftliche Bedeckelung frei und ungedeckelt durch mein Leben zu köcheln. Nämlich hat dies erstens den Vorteil eines absolut freien Küchenhimmels (der sich auch nicht erheblich verdunkelt), und in dem sich jeder entstehende Dampf ganz ungehindert entfalten kann, ohne dass ihn ein bedrückender Deckel irgendwann womöglich in explosive Beziehungskrisen herunterdämpft.
Natürlich weise ich kritischerweise schon darauf hin, dass auch für die sinnsuchende Weiblichkeit ein bloßes Deckeldasein ja wohl wenig erfüllend sein kann, schon gar nicht angesichts des durchaus emanzipatorischen Zeitgeistes. In diesem Sinn ersuche ich dringend um die überfällige Modernisierung Ihrer doch schon recht verstaubten Analogie.